Hochsensibilität hoch 11: Buchrezension zu „We are proud to be Sensibelchen“

Wenn einen jemand darauf hinweist, dass man für seine Verhältnisse gerade etwas zu stark auf eine Situation oder eine Aussage reagiert, fallen meistens die folgenden Sätze:

Bisschen sehr empfindlich, was? Du solltest mal etwas abgehärteter werden.

Ist doch nicht so schlimm, was ist denn dein Problem?

Sei doch nicht so eine Mimose, war doch nicht so gemeint. (Begleitet von Lachen.)

Und mein persönlicher Liebling: Jetzt entspann‘ dich doch mal!

Oft passiert auch gar nichts und die Leute merken vielleicht, dass etwas nicht stimmt und wundern sich.

Nicht nur im Gespräch, auch in normalen Situationen des Alltags, die „man ja einfach so meistern müsste“, kommt das vor. Die sechste Eventeinladung, die man absagt, weil es einem einfach zu viel Trubel ist. Sich in einer Menschenmenge wohlfühlen, aber beim Meeting fast ohnmächtig werden. Alles Dinge, die auch nicht Hochsensiblen passieren können. Nur selten in der Frequenz und Intensität.

„We are proud to be Sensibelchen“ ist kein Ratgeber. Hat auch gar nicht den Anspruch dazu gestellt, einer zu sein. 11 Geschichten von Autor*innen, alle Geschichten sind sehr unterschiedlich, glücklicherweise nicht alle so meins, denn so viele Seiten von Hochsensibilität zu kennen, das wäre auch mir zu viel.

Ich will nicht großartig aus dem Buch zitieren, denn ihr sollt es definitiv kaufen und lesen (Werbung, juhu, aber ich werde natürlich nicht bezahlt).

Allein für das „Ach krass, so gehts ihr/ihm auch“ – Gefühl. Und die Erkenntnis, wie vielfältig Hochsensibilität ist.

Maria Anna Schwarzberg hat also neben sich noch 10 weitere Menschen gefunden, die ihren Alltag mit Hochsensibilität leben. Sie beginnt mit einer kurzen Einführung über die Thematik nach Elaine Aron, der Pionierin auf diesem Forschungsgebiet und verweist auch auf deren Buch „The Highly Sensitive Person: How To Thrive When the World Overwhelms You“.

Ich finde, als Einstieg in das Thema ist es ein gutes Buch, vielleicht schreibe ich irgendwann mal etwas dazu. Ich fand es leider sehr langatmig, hatte aber auch schon viele Informationen über Hochsensibilität, bevor ich es bekam.

Zurück zur Rezension. Man könnte Angst haben, ein Buch zu kaufen, in dem ein paar nette Wischi-Waschi-Stories von Leuten drin stehen, die sich selbst als hochsensibel empfinden, aber die Geschichten bekommen trotz ihrer – vermeintlichen – Kürze, alle ihren passenden Raum. Ich denke, wer mehr über die Autor*innen wissen möchte, wird sie finden, denn sie sind auf ihren Blogs, in Podcasts und über die Sozialen Netzwerke zu finden.

Sie sind sehr emotional und aufschlussreich geschrieben, regen zum Nachdenken an und treffen einen mit ihrer Ehrlichkeit manchmal da, wo es wehtut.

Autorinnen wie Bianca Jankovska und Ninia LaGrande kannte ich schon vorher und habe mich besonders auf ihre Sichtweisen gefreut. Aber auch wer mit Journalismus, Poetry Slam, Instagram oder Blogs bisher nicht so viel am Hut hatte und wem die Namen alle fremd sind, wird sie mögen.

Jeder hat seine eigene Note in den Text gebracht und doch ergibt es am Ende ein schönes Ganzes. Es steckt wahnsinnig viel Mut darin, so offen über sein Seelenleben zu reden. Zumal hochsensibel zu sein immer noch wahlweise als „empfindlich“ im negativen Sinne abgetan wird oder zu einem medizinischen Problem gemacht wird.

Man ist aber nicht krank oder gestört, weil man das Leben intensiver wahrnimmt als der Durchschnitt. Das gilt es für einen selbst zu verstehen und das Buch hat mir einen guten Anstoß dazu gegeben.

Es ist zum Wahnsinnigwerden. In meinem Kopf ist es nie still – Joana Heinen, aus We are proud to be Sensibelchen

Für mich ist es ein Buch, was ich am liebsten sofort eigenhändig übersetzen möchte und jedem Menschen in die Hand drücken will, der mir begegnet. Denn selbst wer nicht zu den circa 20 Prozent der Welt gehört, der hochsensibel ist, der kennt immer jemanden.

Hat sich vielleicht schon mal gewundert, warum dieser Mensch die laute WG-Party früher verlässt. Nicht in einem Raum sein will, in dem 10 Menschen am Tisch essen und laut durcheinander diskutieren. Nicht versteht, wie Alltagssituationen einem Erwachsenen, (aber vielleicht auch schon in früheren Jahren einem Kind), solche Angst machen können.

Leseempfehlung: Ganz klar für jeden, der sich die oben genannten Sätze schon oft anhören musste, schon wissende HSPs und ihre Umgebung!

Besonders lesenswert: Persönlicher Geschmack, für mich waren es die Geschichten von Kea von Garnier und Joana Heinen (Alltagssituationen) und Bianca Jankovska, deren Schreibstil ich einfach toll finde und die es immer schafft, aus einer persönlichen Geschichte heraus die Gesellschaft miteinzubeziehen.

Weiterlesen: Schaut euch die einzelnen Autor*innen im Netz an, wenn sie euch gefallen, in dem Fall ist es aber eher ein weiter hören, die Herausgeberin Maria Anna Schwarzberg hat nämlich neben ihren Büchern zum Thema Hochsensibilität einen tollen Podcast: Proud To Be Sensibelchen.

Was ich an der Stelle noch ganz erwähnenswert finde: Man kann das Buch direkt über den Onlineshop kaufen und unterstützt nicht nur die Mitwirkenden direkt, sondern auch Bildungs- und Umweltprojekte. Da es ein Buch ist, was man immer wieder in die Hand nehmen kann, ist der Preis von 25 Euro für mich gerechtfertigt.

Kennst Du das Buch schon? Was hältst Du davon?

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