Wenn das Leben Dich mit Krücken bewirft, nimm sie an

Lektionen über das Fallen

Wann weiß man eigentlich, dass man es zu weit treibt? Wenn gute Ratschläge auf taube Ohren treffen, und man schon lange nicht mehr zuhört, wenn das Umfeld etwas sagt, dann kann es das schon mal nicht sein.

Eigene Erfahrungen machen ist meistens die Devise und die schmerzhaften bleiben einem oft so gut im Gedächtnis, dass man sich tatsächlich überlegt, welche Lehre man daraus ziehen kann.

Oder sollte, dann hat man wenigstens halbwegs die Schmerzen gerechtfertigt.

Lange Zeit habe ich nach einer Ausrede für mein Kranksein gesucht. Von der ewigen Erkältung bis hin zu Magenschmerzen – ich hatte in den letzten 12 Monaten alles und davon zu viel.

Leicht hypochondrische Züge unterstelle ich mir selbst. Ich beobachte mich selbst und meine Reaktionen einfach viel zu genau, und da wird schnell jeder schnellere Herzschlag zu einem riesigen Problem.

Ich habe so viele unterschiedliche Ärzte gesehen, ich habe das Gefühl, nur noch dort rumzuhängen. Ziemlich idiotisch für jemanden, der eigentlich Ärzte, Medikamente und ganz besonders die Krankenhäuser der Stadt verabscheut.

Mein aktuelles Ziel ist es, dies zu minimieren. Klar, jeder wird mal krank und Hausmittelchen helfen nicht gegen alles. Aber wenn ich die ein oder andere Untersuchung hinter mich gebracht habe, die dank vermutetem Rheuma einfach noch fällig ist, dann haben die Ärzte mich und ich die Ärzte gesehen.

Interessanterweise habe ich vor MRT, Ultraschall und Darmspiegelung dann so viel Respekt, aus ganz unterschiedlichen Gründen, dass ich diese Sachen ewig aufgeschoben habe. Auch das hat jetzt sein Ende. In den nächsten 4-6 Wochen werden diese Termine abgehakt und es kann weitergehen.

Wie ich darauf komme? Immerhin muss es ja einen Grund geben, warum ich keine Lust mehr auf die Scharade habe.

Ich verdrehe mir anstelle der ganzen anderen Sachen zum Beispiel gerne den Fuß. Und zwar nicht während einer spannenden Sporteinheit oder beim Wandern im Urlaub – bei mir reicht es, auf einem Parkplatz eine Stufe zu übersehen und zu fliegen.

Nach 5 Stunden des Gebets in der Notaufnahme, dass ich alles tue, solange ich mir mit der Aktion nichts gebrochen habe – was längerfristig nerven würde – gehe ich mit der Erkenntnis, wirklich besser auf mich aufpassen zu müssen – physisch und emotional. Und mit einer Bänderdehnung. Das hat gesessen.

Gott, gib mir ein Zeichen

An Gott glaube ich ja nicht wirklich, dafür aber an irgendeine ausgleichende Kraft im Universum. Das muss man nicht verstehen, vielleicht liegt es auch an der Tatsache, dass ich mit einer „Und wofür könnte das gewesen sein?“ – Einstellung aufgezogen wurde.

Zufälle passieren natürlich auch, den einen universellen Plan gibt es für mich nicht, da wäre mir zu wenig Wissenschaft und zu wenig freier Wille dabei. Ein spannendes Thema für einen anderen Tag.

Nennen wir die Kraft einfach Karma und schreiben ihr ein paar Eigenschaften zu, zumindest mal die, dann zu kommen, wenn man es vielleicht braucht, sich dessen aber noch nicht bewusst ist.

Und so muss ich jetzt zwangsweise zur Ruhe kommen. Hektisch rumrennen ist nicht, eigentlich geht so ziemlich gar nichts in Hektik, wenn man seinen rechten Fuß nur so zu 25% nutzen kann. Alles dauert länger, man muss es gut planen, vom aufstehen bis zum duschen, und wenn etwas nicht klappt, sollte man recht schnell diese übersteigerte Frustration ablegen, die man bei kleinen Dingen im Alltag gerne empfindet.

Denn mir fällt ständig etwas herunter, was ich kaum aufheben kann, ich bin langsam und auf etwas zu viel Hilfe meines Vaters angewiesen. Etwas, das ich in letzter Zeit sehr oft gebraucht habe, und genau das, was ich verabscheue.

Ruhe halten, langsamer machen und Hilfe annehmen, wenn es wirklich nötig ist. Ich übe! Lektion gelernt?

Sagen wir, ich habe den Wink/Schubser mit dem Zaunpfahl verstanden.