Wie man (auch) über seine Ängste sprechen kann und warum man es tun sollte

Wer mich ein bisschen kennt, lernt recht schnell zwei Sachen: erstens, dass ich nicht besonders gerne über meine Gefühle rede, selbst mit Leuten, die ich gut kenne. Und zweitens, dass ich, wenn ich es tue, gerne Briefe schreibe (im digitalen Zeitalter tut es auch WhatsApp, aber angefangen habe ich mit Briefen).

Ich halte das nur bedingt für sinnvoll, manchmal habe ich mich dadurch dann doch darum gedrückt, ein richtiges Gespräch führen zu müssen. (Vor allem sehe ich auch ein, dass ich mir dadurch die erste, persönliche Reaktion erspare.) Wenn mein Gegenüber dann wahlweise selbst online geantwortet hat oder das Gespräch mehr seine/ihre Reaktion auf meine Schreiberei war. Und ich am Ende meistens nur noch wenig sagen musste.

Wieso auch, hatte ich ja schon mein ganzes Herz auf dem Papier ausgeschüttet. Eine Sache, die ich dann doch wieder sehr hilfreich finde, hilfreicher zumindest, als sich gar nicht damit zu beschäftigen.

Ich habe schon immer geschrieben. Nicht nur über meine Gedanken, natürlich auch Fiction, alles von der Kurzgeschichte bis zum Tagebuch also. Es ist meine Art, mich auszudrücken, Dinge zu formulieren und ändern zu können. Erstmal über alles nachdenken und dann geht es weiter.

Also, ich kann’s nur empfehlen, schreibt es nicht nur im Internet, schreibt es für euch auf und schreibt für euer Umfeld, wenn ihr nicht direkt reden könnt.

Diesmal war es neu. Ich hab schon alles in Briefen übermittelt, von Danksagung zur Abschiedskarte, von „Mama, ich will Künstlerin werden“ zu „Es tut mir Leid, dass ich mich für nichts entscheiden kann“.

Aber ich hab es noch nie mit einem Partner gemacht. Da wurde nie wirklich geschrieben, und noch weniger geredet, bis ich dann, auch per Brief, mit dem ein oder anderen auseinander ging. Da schließt sich der Kreis dann doch.

Diesmal war es nicht der erste virtuelle Brief, aber der, der am meisten Überwindung gekostet hat.

Ich bin am Ende meiner Kräfte. Manchmal glaube ich, das Wort Psychosomatik ist für mich erfunden worden. An dieser Stelle entschuldige ich mich beim deutschen Steuer- und Krankenversicherungszahler. Ich kenne gefühlt einen Arzt aus jeder Fachrichtung.

Aber es gibt einen Unterschied zwischen mehreren Erkältungen im Halbjahr, weil man gestresst ist und vollkommener Erschöpfung.

Morgen kommt ein neuer Text über das Thema, aber ich fange mit dem ersten Schritt der Akzeptanz an. Es ist nicht bloß die Erschöpfung, ich habe es geschafft, und das ist nicht das erste Mal, auf ein nicht lebensbedrohendes, aber doch ungesundes Gewicht zu kommen. Mein Verhältnis zu Essen, aber wahrscheinlich einfach zu mir selbst, ist gespalten. Nicht irreparabel, das muss ich mir oft selbst klarmachen, immer wieder.

Ich bin davon abgekommen, radikale Ehrlichkeit zu predigen. Das war eine Lüge, und auch wenn das Konzept seine guten Seiten hat, ich denke, nichts was radikal ist, auf der Ebene der Persönlichkeitsentwicklung, ist ein guter Ansatz für die breite Masse, zumindest nicht nachhaltig.

Aber ich kann nur sagen, dass es wahnsinnig befreiend ist, auch wenn es anfangs Angst macht, einfach zu sagen, wie die Dinge sind, sie nicht zu verkleinern oder zu beschönigen.

Wenn man seinen Ängsten Namen gibt, dann schrumpfen sie nicht. Aber sie kriegen ein Gesicht und dem kann man begegnen.

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