Alles anders im August: Was wäre, wenn wir einfach aufhören würden, über Körper zu reden?

Ich schreibe diesen Text, während gerade im TV Iron Man 2 angelaufen ist. Als alter Marvel-Fan habe ich glaube ich alles schon gesehen, was damit zu tun hat, mindestens mal die Filme aus den letzten 10 Jahren.

Keine 10 Minuten sind vergangen und eine Gruppe junger, schlanker Tänzerinnen ist unter viel Getöse auf der Bühne. Knappe Iron-Man-trifft-Cheer-Outfits, nicht gerade anspruchsvolle Bewegungen. Sie sind schmückendes Beiwerk, nicht mehr.

Über die, sagen wir, Ausbeutung weiblicher Reize und Promotion eines bestimmten Körperbildes kann man Romane schreiben, das ist gar nicht mein Hauptproblem. Ich war selbst immer schlank, und ich weiß, wie nervig es ist, darauf angesprochen zu werden. Vor allem, weil das nur passiert, wenn man gesund ist, und sich denkt: Das ist einfach mein Körperbau. Frauen mit Größen jenseits der 36/38 kennen das sicher auch, nur eben mit anderen Kommentaren.

Jetzt, wo ich mich selbst so mit meinem Körper beschäftige, merke ich, wo man überall auf das Thema trifft und wie schwierig es sein kann, sich nicht zu vergleichen. Mehr zu sein als eine Hülle, eine Projektion eines Bildes.

In unserer Gesellschaft stellen sich viele junge Frauen ständig selbst dar. Ich war kurz davor, zu schreiben: Sie stellen sich gerne dauernd dar, aber ich denke nicht, dass das stimmt. Klar, wir wollen Bestätigung, aber diese ständige Selbstdarstellung ist ja nicht normal. Sie ist künstlich, anstrengend, krank machend.

Wenn man nicht das Gefühl von „Alle machen das“ hätte, wieviele Influencer und solche, die es werden wollen, hätten wir dann? Wie viel Spaß macht es wirklich, sich Dinge zu verbieten und vor dem Spiegel zu verbiegen, bis die Bauchmuskeln perfekt ausgeleuchtet sind? Und das dann als starkes Frauenbild verkaufen?

Bild: Marianna Mercado

Ich habe den Entschluss gefasst, Facebook und Instagram zu löschen. Selbst mit dem Wissen, wie viel daran Fake ist, ich fand kein Maß und konnte irgendwann so viele Körper-Bilder nicht mehr ertragen. Als gäbe es wirklich nichts besseres, als eine perfekte Taille, große Brüste, viel Hintern, perfekte lange Haare. Gleichzeitig aber alles essen, weil man ja auch 6 Mal die Woche ins GYM geht. Aber nie den Milchshake stehen lässt.

Als ich Rheuma bekam und aus der Fitnessstudio/Meal Prep-Welt ausschied, hat es mich nur noch angewidert und es war überall.

Gerede über Cheat Days, Thigh Gaps, die ständige Bewertung auf den Covern von Frauenzeitschriften, online, Gossip, und dazwischen die Selbstbewertung.

Schluss mit dem ewigen Vergleich, auch wenn es schwer fällt. Scheint radikal zu sein?

Fällt uns denn wirklich nichts mehr ein in unserer Freizeit, als uns zu verschönern und dann zu vergleichen?

Ich war selbst total drin in der Blase und stelle gerade fest, wie schwer es ist, da raus zu kommen. Hier ein paar Schritte, die ich gerade versuche zu gehen:

1. Kein Social Media, keine Magazine, kein Gossip-Tv. Das ist nicht zu schwer.

Aber auch:

2. Keine Food Blogs, keine YouTube Videos zu dem Thema. Es ist einfach zu viel Information und hat meistens nichts mehr mit Inspiration zu tun.

3. Sich reflektieren, wenn man automatisch andere Körper bewertet. Andere darauf hinweisen, wenn sie Körper kommentieren. Das braucht einfach niemand, und es passiert so schnell.

Der letzte Punkt weist auf ein größeres Problem hin, das ich sehe: Mein/das Umfeld, die ewigen Gespräche über Essen, Gewicht und Körper.

Wie schafft man es, es nicht zum Tabuthema werden zu lassen, langfristig zumindest? Im Moment will ich einfach nichts damit zu tun haben und muss das auch zuhause ansprechen. Denn solche Kommentare wie: Na, die ist ja auch ganz schön dick geworden, das geht einfach nicht.

Ich glaube, wir sollten uns weniger wundern, dass wir krank werden, wenn wir uns so mit dem Thema auseinander setzen. Wir sollten uns eher wundern, warum wir es noch nicht sind. Ich wäre gerne so resistent gegen diese Einflüsse, aber ich weiß ja, dass es vielen Leuten so geht.

Erkenntnis des Tages: Es ist nicht alles Gold, was glänzt? Ich weiß es nicht, heute bin ich irgendwie kopflos und fühle mich schwer.

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