Let Me Entertain You

Über die Kunst der Stille

Wann war es bei Dir eigentlich das letzte Mal still? Nein, ich meine nicht, dass niemand geredet hat oder Du gerade allein im Haus warst.

Auch wenn uns niemand direkt beschallt, sind wir trotzdem nie allein. Zumindest seltener. Der TV läuft und die grellen Bilder flackern im Sekundentakt über den Bildschirm. Benachrichtigungen auf dem Handy, Social Media Updates und Snaps, nur noch schnell während dem Kochen ein YouTube Video schauen oder die neuste Serie.

Seit ich das einschränke, merke ich erstmal, wie mir das fehlt. Es gibt diesen einfachen Belohnungsmechanismus, dieses kurze Hüpfen, wenn uns jemand schreibt. Das automatisierte Lachen, wie in einer Sitcom. Bis hin zu starrem Blick auf einen Film, der uns nicht wirklich interessiert.

Der ständige Austausch von Emotion, Information.

Aber wenn reine Information Emotion immer öfter schlägt oder es immer wieder etwas Negatives mit sich bringt, wird es Zeit, das zu überdenken.

Mit der Hochsensibilität ist es nicht immer so leicht umgesetzt, auch ich bekämpfe notgedrungen Beschallung (lautes Gespräch in der Bahn) mit Beschallung (Podcast, Musik); manchmal muss man sich einfach selbst schützen und für mich ist schon das ewige Piepen beim Tür öffnen und schließen, dass die S-Bahnen des RMV so an sich haben, zu viel. Manchmal ist mir auch das Geschnatter in meinem Kopf zu viel und dann ist alles besser, als da lange zuzuhören.

Aber dann komme ich nachhause und immer noch blinkt und krakeelt alles? Nein danke.

Also: Social Media aus, am besten Handy weglegen oder umdrehen, Flugmodus einstellen. Keine oder nur Pianomusik hören. Nicht darauf warten, dass einem jemand schreibt.

Der Kopf wird wieder freier, zumindest hoffe ich das, für echte Projekte.

Und erwischt, schon wieder muss ich tun, tun, tun, beschäftigt sein.

Sich selbst dauerbeschäftigen ist aber auch nur knapp besser als es von anderen zu erwarten. Ich habe oft das Gefühl von: „Wer bremst, verliert“, aber ich habe ja schon herausgefunden, dass das auf Dauer krank macht.

Meine Mutter hat mir heute einige Magazine (z.B. Flow) gegeben, und so ziemlich jeder zweite Artikel ging um die Beziehung zwischen Stress/Psyche und Gesundheit.

Ich habe am Wochenende die Chance bekommen, darüber noch ein separater Post, sehr genau darüber nachzudenken, wie mein Leben demnächst aussehen wird.

Und ich will das einfach nicht mehr, diesen ewigen Konsum von Information, die Dauerbeschallung. Diese Angst, jede Stunde des Tages etwas tun zu müssen, dass mess- und sichtbar ist, damit ich selbst sichtbar bin.

Ich will wieder schreiben mit Stift und Papier, auf einen Fluss schauen ohne, dass ich etwas dazu sagen muss

Zurückkommen in eine Welt, in der ich wieder kommunizieren will, nicht aus Zwang und Not, sondern aus dem Wunsch, mich wieder richtig zu verbinden.

Eine kleine Aufgabe für mich (und für dich), die ich morgen üben will, um von der Beschallung weg zur echten Kommunikation hin zu kommen: Zuhören, ohne zu kommentieren, auch nicht innerlich. Einfach richtig da sein.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.